Die Jugend im Blick…! Die Herausforderung des TuS Brake im Umgang mit dem Leistungsgedanken im Breitensport oder: Wie schaffen wir es allen gerecht zu werden?

Ein Interview mit den Jugendvorständen Johannes Grafahrend (Vorsitz), Mike Wörmann und
Michael Michalsky,
sowie dem -Sportlichen Leiter Jugend- Sascha Bäcker.
Kurzum: Dem TEAM JUGEND der Fußballabteilung
des TuS Brake

In Deutschland gibt es fast 25.000 Fußballvereine mit mehr als 6,8 Millionen Mitgliedern.
Vor der Corona-Pandemie fanden jede Woche rund 80.000 Spiele im regelmäßigen
Spielbetrieb statt.

Das ist und bleibt das Kerngeschäft der Fußballvereine, ist aber lange nicht alles.

Während das deutsche Sportsystem auf zwei Säulen beruht Leistungssport und Sport für alle,
definiert der Deutsche Fußball-Bund wie folgt: Neben dem Leistungssport nehmen der
Freizeit- und Breitensport sowie das soziale Engagement gleichrangige Säulen ein.
Gemeinsam tragen diese drei Säulen die gesamte Bewegung des Fußballs.

Ein zeitgemäßer Fußballverein ist Treffpunkt für alle, die ihre Freizeit sinnvoll gestalten wollen:
durch aktiven Sport – auch ohne Leistungsdruck, aber auch über das Sporttreiben hinaus
durch Geselligkeit, durch kulturelle Veranstaltungen und andere Aktivitäten, die Spaß vermitteln
und interessant sind. Vereine wie der TuS Brake sind prädestiniert und verfügen über die Möglichkeiten,
das alles zu bieten.

Redaktion: Hallo Zusammen, eine wirklich spannende Frage, was betreibt der TuS Brake denn alles um
„Allen“ gerecht zu werden im Umgang dieser beiden Kontroversen?

JGRA: Eine ganz wichtige Erkenntnis vorab, die auch die Basis unseres Handeln darstellt.
-Ohne das Eine, gäbe es das Andere nicht!-
Der Profi der Zukunft macht in den Breitensportvereinen von „nebenan“ seine ersten Schritte.
Wenn wir die Talente heute nicht fördern, werden sie in der Zukunft ihre sportlichen Chancen nicht wahrnehmen
können. Aus diesem Grund müssen wir uns unsere Verantwortung, Talente so früh wie möglich zu finden und zu fördern, vor Augen führen.

 

 

MWÖR: Die richtige Balance zu finden stellt hier sicherlich die größte Herausforderung dar.
Wir beim TuS Brake wollen Talente fördern und entwickeln, aber eben auch weniger begabte Sportler im Bereich des individuell Machbaren weiterentwickeln und unterstützen. Wir schicken hier sicherlich niemanden nach Haus, weil er von seiner sportlichen
Entwicklung zurück steht. Alle sind gleich wichtig, der ambitionierte Leistungssportler, sowie auch der Hobbykicker, der gemeinsame Nenner ist der Sportgedanke und der Wohlfühlgedanke.

 

 

 

MMIC:  Was die Förderung von Ausnahmetalenten anbelangt stehen
wir regional im großen Wettbewerb. Daher gilt bei uns „Schuster
bleib bei Deinen Leisten“. Eine Ausnahmeförderung streben wir
beim TuS Brake auch langfristig nicht an. Vielmehr geht es uns darum,
jungen Menschen eine sportliche Heimat zu geben und wir sehen uns
da auch als Wertevermittler, „fair play“ und Toleranz sind beispielsweise
Punkte, die für die soziale Kompetenz auch im Leistungssport gelten sollten.

 

 

SBÄC: Genau, was aber eben auch nicht bedeutet, dass wir Talente nach
Hause schicken. Im Gegenteil, wir legen hier den Grundstein für eine
u.U. erfolgreiche sportliche Karriere auch über den Kosmos Brake,
Bielefelds oder Ostwestfalens hinaus (Siehe Can Özcan, aktueller Profi
mit Braker Wurzeln). Es geht uns um mehr…was wir vermitteln möchten
sind Spiel- und Taktikverständnisverständnis, Fitness,
Zusammengehörigkeitsgefühl, Teamgeist und Leidenschaft,
damit die jeweiligen Spieler auch zukünftig aus Überzeugung von
ihrem „Heimatverein“ sprechen. Natürlich wollen wir auch Nachwuchsspieler für unsere Seniorenmannschaften herausbringen.
Wir sind jedoch bei der Entwicklung von Spielern immer ehrlich und objektiv dem Spieler
gegenüber, sollte es einmal Wechselgedanken geben. Es zeugt aus unserer Sicht von sportlicher
Kompetenz und Weitsicht Ausnahmetalente auf Ihrem Wege zu einem höherklassigen Verein zu
unterstützen und den Weg zurück ohne Wenn und Aber aufzuzeigen. Wir stehen hier niemandem
im Weg, wir ebnen den Weg, in beratender Funktion, wenn es denn sinnvoll ist.


Redaktion: Sascha, mal ehrlich, ist es nicht ein Schlag ins Kontor, wenn die eigene Mannschaft  

geschwächt wird, wenn der Leistungsträger das Team in Richtung eines anderen Vereins
verlässt.

SBÄC: Als Trainer im Jugendbereich möchte man natürlich auch erfolgreich Fußball spielen lassen,
jedoch steht das nicht im Vordergrund unseres Tuns. Unsere Aufgabe ist es Spieler und Teams
zu entwickeln, Ihnen das notwendige Verständnis für Taktik, Systeme, Zweikampfverhalten,
Stellungsspiel und auch den Spaß am Fußball spielen zu vermitteln. Wenn Spieler aus Teams
leistungstechnisch herausstechen und aufgrund Ihres Talents u.U. den Verein verlassen, dann
stellt das auch immer eine Chance fürs Kollektiv des Teams dar.
Also, meine Antwort lautet NEIN, im Prinzip ist es ja auch eine Auszeichnung für die
entwickelnden Trainer, wenn solche Talente hervorgebracht werden.

JGRA: Unsere Kernaufgabe ist nicht der sportliche Erfolg, sondern den Jugendlichen hier eine sportliche
Heimat und Perspektive zu geben. Dazu gehört neben einem funktionierenden technischen
Umfeld (Platz, Umkleiden, Trainingsmöglichkeiten) ein gut ausgebildetes Kompetenz-Team an
Trainern was eben neben den sportlichen Dingen auch die sozialen Komponenten vermitteln
kann. Hier sehen wir Entwicklungspotential und hier werden wir ansetzen.


Redaktion: Was meinst Du mit Entwicklungspotential, seid ihr nicht zufrieden mit dem Iststand?

MWÖR: Was unsere Verhältnisse beim TuS Brake anbelangen sind wir sehr zufrieden mit dem wie es jetzt ist.
Trotzdem sehen wir eben im Bereich der Weiterentwicklung auch der Trainer großes Potential.
Wir wollen auch hier Perspektiven aufzeigen. Wir unterstützen z.B. jeden Trainer auch finanziell beim
Erlangen von Trainerlizenzen. Wir werden zukünftig Workshops anbieten, wo es Anregungen auch zum
Thema Trainingsmethodik geben wird. Desto älter die Kids werden, desto anspruchsvoller wird auch die
Erwartungshaltung an das Training. Hier spielt auch das Thema Motivation eine große Rolle.


Redaktion: Johannes, was macht den TuS Brake als bekennenden „Familienverein“ aus?
Was sind Eure Ziele in der Fußballabteilung das Angebot noch attraktiver zu gestalten?
Gibt es Ideen?

JGRA: Ich denke, da gibt es verschiedene Punkte die genannt werden müssen. Übergeordnet betrachtet bietet der
Hauptverein ja ein vielseitiges Angebot an unterschiedlichen Sportarten an, so dass sich hierdurch sicherlich
viele Familien im Umfeld von Brake angesprochen fühlen dürften. Wenn wir uns auf die Fußballabteilung fokussieren,
dann muss sicherlich auch unsere schöne Vereinsanlage die  KüchenTrend-Sport-Arena Brake genannt werden.
Hier wird Vereinsleben groß geschrieben, der Austausch am Platz, das zwanglose Gespräch mit Mitgliedern vor und
nach Trainingseinheiten oder an Spieltagen, das unkomplizierte Ambiente in der „Hütte“, die seit Jahren ehrenamtlich
durch Alexandra & Thorsten Göritz betrieben wird. Durch den Erfolg der I. Herrenmannschaft und das damit
entstandene größere Interesse im Umfeld werden Heimspiele zu echten „Familienevents“. Es ist schön
mit anzusehen, wenn parallel die zahlreichen Kinder auf dem Warm-Up-Feld Situationen ihrer „Idole“
auf dem Platz nachstellen.

MMIC: Ideen haben wir genug….wir wollen die Fußballabteilung noch mehr in den Fokus rücken, junge Familien
schon frühzeitig ansprechen ..frei nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah!
Brake wächst und damit auch seine Bevölkerung. Wir wollen der entscheidende Ansprechpartner sein,
wenn es im Umfeld von Brake um das fußballerische Angebot geht. Ein erster kleiner Schritt ist auch unser
neues „WELCOME-Starter-Paket, was sich jeder Interessierte bei den TEAMJUGEND-Mitgliedern abholen kann.
Dort steht etwas zu unserer Philosophie, es enthält alle benötigten Anmeldeunterlagen und
Ausstattungsbestellvordrucke, sowie die Kontaktdaten der Ansprechpartner.
Ganz nach dem Motto: Einfach ist gut! Wir werden in den kommenden Wochen Aktivitäten starten
in Kindergärten und Schulen, Sichtungstrainings anbieten, attraktive Angebote aufzeigen.

MWÖR: Unser Ziel nach der Öffnung der Sportanlagen ist es auch wieder mehr teambildende Fahrten für
Mannschaften anzubieten. Wir wollen, wenn es denn Corona bedingt möglich ist, zukünftig vermehrt
Jugendturniere ausrichten, evtl. auch eine Jugendwoche mit vielen Turnieren kreieren.
Das bereits seit Jahren etablierte Soccercamp ist eines unserer Paradebeispiele wie gut
derartige Angebote angenommen werden.


Redaktion: Habt ihr Angst aufgrund der CORONA-Situation bis dato fußballbegeisterte Jugendliche
und somit auch Familien „verloren“ zu haben.

SBÄC: Zunächst einmal gilt es hier ein großes Lob und Dank an unsere Mitglieder auszusprechen. Trotz der
auch in dieser Zeit „enger zu spannenden Gürtels“ gibt es Stand heute nur wenige Abmeldungen.
Um ehrlich zu sein, haben wir uns schon die eine oder andere Frage in diese Richtung gestellt.
Die digitalen Sportplätze dieser Welt wie Fifa-Digital Sports usw. haben natürlich während CORONA
an Popularität zugenommen. Der zweite Lockdown und die damit verbundenen Einschränkungen zur
Ausübung sportlicher Aktivitäten treffen nicht nur die Amateurkicker im aktiven Bereich, sondern auch
den Nachwuchs mit voller Breitseite.

JGRA: Hier gilt es nun nicht in Schockstarre zu verharren, kreative Lösungen waren und sind gefragt. um das
Optimum aus den beschränkten Möglichkeiten zu machen. Individuelle Trainingsprogramme wurden übergeben,
teilweise auch auf digitale Inhalte verwiesen, die ein Training zu Hause mit dem Ball möglich machten.
Der eine oder andere Trainer hat sich da sehr ins Zeug gelegt. Respekt!

MMIC: Und das hat teilweise echt ganz gut geklappt….:-) Wie es aussieht haben wir ja nun den
zweiten Lockdown halbwegs überstanden. Aus Gesprächen mit Eltern wissen wir, dass die Kids
hoch motiviert sind und vor allem natürlich die Mannschaftskollegen wieder treffen wollen.
Da sind wir doch wieder bei dem Punkt „Familienverein“…, die Wertschätzung für das
Zusammensein, das gemeinsame Erarbeiten von Technik und Kondition, das Spaß haben
am Sport in der Natur mit Freunden, der Austausch neben dem Platz, das Alles sind Dinge,
die die Playstation nicht bieten kann.

MWÖR: Aber auch wir freuen uns riesig, wenn es wieder losgeht und wir unsere Ideen
endlich wieder umsetzen dürfen! Das Hygienekonzept steht,
die FLVW-APP ist eingerichtet…..es kann  also wieder losgehen. Hurra!

Redaktion: Wir danken Euch für das offene Gespräch und drücken die Daumen, für eine baldige Rückkehr
zur Normalität auch im Vereinssport!