Interview mit Carsten Johanning (Trainer der I. Herrenmannschaft) & Jörg Pundmann (Sportlicher Leiter TuS Brake Fußball)

Ein Gespräch über Ziele, Wege und Visionen!    

Es ist ein Tag im September, die Spätsommer-Sonne steht tief über dem Kunstrasenplatz der KüchenTrend Sport-Arena-Brake, wir haben eine Verabredung mit den sportlichen Visionären der Fußballabteilung des TuS Brake, Jörg Pundmann (Sportlicher Leiter) & Carsten Johanning (Chef-Trainer der ambitionierten I. Herrenmannschaft des Bezirksligisten.)

Es geht in diesem Interview unter anderem um das bisher wenigen bekannte Projekt 2025. Was es damit auf sich hat und weitere Antworten auch auf  Fragen lest Ihr im  folgenden Exklusiv-Interview mit dem Website-Team.

 

Die sportliche Kompetenz des Duos Johanning/Pundmann ist unbestritten, kann man bei Euch Beiden auch von einer ähnlich ausgeprägten „Fußballverrücktheit“, vielleicht sogar als ein verbindendes Element sprechen?

Carsten Johanning: Wenn damit gemeint ist, dass ich fast meine gesamte Freizeit für die Trainertätigkeit aufwende
und quasi rund um die Uhr an Fußball
denke, dann trifft die Bezeichnung sicher
zu. Jörg betreibt ebenfalls einen s
ehr hohen A
ufwand. Von daher verbindet uns das auf jeden Fall.

Jörg Pundmann: Carsten und ich ticken da in der Tat sehr ähnlich, wichtig ist es sich auf ein gemeinsames Ziel
zu committen.
Wir reden beide nicht lange um den „heißen Brei“ herum, sprechen aus, was wir denken und
packen es an. Das Resultat ist, mit uns kaufst Du nie die brühmte „Katze im Sack“, sondern Du weiß immer
woran Du bist. Das ist ein wichtiges Mosaiksteinchen, auch wenn es um Führung einer Mannschaft geht.
Das Team muss immer wissen woran es ist.

Wie kam es zu der Konstellation Pundmann/Johanning oder anders gefragt, wie ist Dir Jörg der Coup
gelungen,
einen so renommierten Trainer wie Carsten Johanning nach Brake zu lotsen.

Jörg Pundmann: Die über Jahre anhaltende Erfolgsstory des TuS Brake
kommt nicht von ungefähr.
Hier arbeiten seit 2009 Personen mit hohem
Einsatz im Hintergrund, denen es  i
mmer wieder gelungen ist durch
persönliches Engagement etablierte Trainer-
Persönlicheiten und somit
sportlicheKompetenz nach Brake zu holen, die für den
sportlichen
Aufschwung verantwortlich sind.
Hier gilt es in erster Linie einem
Güven Aydin zu
danken, der den TuS Brake innerhalb kürzester Zeit
von der Kreisliga C in die K
reisliga A geführt hat. Mit Darius Duda
gelang dann relativ zügig der Aufstieg in die
Bezirksliga, in der dann
das Braker Urgestein Frank Milse das Team etablierte.
An dieser
Stelle möchte ich mich nochmals auch im Namen des
Abteilungsvorstands
für diesen überdurchschnittlichen Einsatz bedanken.  Durch diese
sportlichen Erfolge und das „wieder“ Erscheinen auf
der „Fußball-
Landkarte Bielefelds“ wird der Verein anders wahrgenommen
als noch vor 11 Jahren. A
uch außen stehende Personen können einen
„blauen“ Faden erkennen, der sich in a
ll den Jahren durch das „Tun“ der
Protagonisten zieht.  U
nd nun komme ich zur eigentlichen Beantwortung
der Frage…
Wenn irgendwo nachweislich nachhaltig und zielstrebig
gearbeitet wird
und die sportliche Basis stimmt, dann entgeht das natürlich
auch nicht der
erlauchten Fußball-Community in Ostwestfalen.
Carsten selbst und seinem immer gut informiertes Netzwerk ist der stetige
Aufstieg
des TuS Brake auch nicht verborgen geblieben. Dazu kam ein wenig
Glück, was m
anchmal auch dazugehört…! Carsten wollte nach seinem Ausflug
in die CO-Trainertätigkeit beim Delbrücker SC  n
eben Ex-Profi Detlef Dammeier wieder mehr Verantwortung
übernehmen und  s
elbst ein Team leiten. Da kann man schon von einer WIN-WIN-Situation sprechen,
die sich für uns als
ambitionierten Verein und Carsten als etablierten Trainer-Fuchs aufgetan hat.

 

 

Eine Aussage Carstens in einem ersten Interview mit der regionalen Presse hat nicht nur in der Braker Anhängerschaft für Irritationen gesorgt. „Wir wollen mittelfristig zweite fußballerische Kraft in Bielefeld werden.“ (Zitat aus dem Interview der NW mit Carsten Johanning). Es scheint hier
Erklärungsbedarf zu geben?

Carsten Johanning: Die Aussage ist so nicht vollständig, denn ich habe gesagt, dass ich dieses Ziel im Bielefelder Amateurfußball hinter dem VfL Theesen erreichen will. Dazu muss  man sich die aktuelle Situation anschauen. Hinter dem VfL Theesen ist in Bielefeld  ein sportliches Vakuum entstanden. Der VfB Fichte befindet sich in einem sportlichen Niedergang und ansonsten ist momentan nur der TuS Dornberg  oberhalb der Bezirksliga unterwegs. Daher ist das Ziel keineswegs unrealistisch, denn wir haben sowohl Dornberg als auch Theesen in der Vorbereitung klar  geschlagen. Um unsere Ambitionen zu untermauern, wollen wir uns daher in der Bielefelder Staffel durchsetzen. Dort haben wir die direkten Vergleiche.

Jörg Pundmann: Carsten Johanning ist ehrgeizig, das passt zur gesamten Führungstruppe des Abteilungsvorstands. Wir wollen hier den nächsten Schritt machen, dafür habe ich einen Namen festgelegt „PROJEKT 2025“. Carsten und ich machen gemäß unserer Charakteristika keinen Hehl aus unseren Aufstiegsambitionen. Bis zum Jahr 2025  wollen wir ein etablierter Landesligist sein! Wir werden bei der aktuellen Zusammenstellung der Truppe doch auch unglaubwürdig, wenn wir nicht das Aufstiegsziel ausrufen würden. (Anmerkung des Website-Teams: 6 Neuzugänge mit  Westfalenliga-Erfahrung). Trotzdem wird das natürlich kein Selbstläufer, andere Bezirksligisten haben sich auch namhaft verstärkt. Für uns stehen neben dem sportlichen Erfolg der I. Herrenmannschaft aber auch die Themen „Nachhaltigkeit“  und „Jugendförderung“ im Vordergrund.

Da sprichst Du etwas an…„Jugendförderung“ ist ein großer Begriff. Ist es denn realistisch für den Nachwuchs Fuß in der I. Herrenmannschaft
fassen zu können? Die Konkurrenz ist ja sehr groß. 

Jörg Pundmann: Schön, dass Du so direkt fragst. Jeder Verein mit Jugendarbeit dürfte das Ziel haben, Spieler aus den eigenen Reihen so auszubilden und zu formen, dass sie später vom Leistungsniveau her in der ersten Herrenmannschaft spielen können.

Carsten Johanning: Für Jugendspieler stehen bei mir immer die Türen offen. Bei meinen vergangenen Trainerstationen habe ich immer sehr viele junge Spieler integriert und ihnen den Start in den Seniorenbereich ermöglicht. Junge Spieler sind offen für neue Dinge und haben ein größeres Entwicklungspotenzial. Natürlich haben wir ein hohes Niveau im Kader. Aber am Beispiel von Philipp Josupeit sieht man auch, dass man  in diesem                Umfeld auch viel mehr und viel schneller dazulernt. Er hat in den vergangenen acht Wochen einen großen
Sprung gemacht und ist auf einem sehr
guten Weg. Luca Zelder ist auch ein sehr talentierter Spieler,
der sogar noch U19  s
pielen kann. Er trainiert bereits jetzt regelmäßig bei uns mit, um ihm im
kommenden Jahr den Einstieg in den Seniorenbereich zu erleichtern. Diesen Weg bieten wir jungen Talenten sehr gerne an.
Mit Simeon Brakensiek (19) und
Louis Dingerdissen (20) haben wir weitere junge Kräfte, die ganz sicher regelmäßig zum Einsatz kommen werden.

Jörg Pundmann: Wir versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten eine fortschrittliche Jugendarbeit zu betreiben. Wir wissen natürlich auch, dass wir, was die Fördermöglichkeiten von überdurchschnittlichen Talenten anbelangt, nicht mit den etablierten Vereinen konkurrieren können.
Wir wollen hier realistisch bleiben…und setzen trotzdem mittelfristig auch auf  diesen Nachwuchs, der evtl. in anderen Vereinen eine optimalere individuellere
Förderung erfahren kann und später gut ausgebildet zurückkehrt.

 

 

 

Vorstände mit derartigen Konstellationen müssen sich häufig mit Kritik bezüglich etwaiger Unverhältnismäßigkeiten der I. Herrenmannschaft in Relation zu den anderen Mannschaften der Abteilung konfrontieren. Lauft ihr hier Gefahr den Breitensportgedanken aus den Augen zu verlieren und den Rest „abzuhängen“.

Jörg Pundmann: Über dieses Thema muss man ganz unaufgeregt sprechen…das haben andere Vereine doch schon lange hinter sich. Eine erfolgreiche auf gutem Niveau spielende erste Herrenmannschaft hat eine gewisse Zug- und Strahlwirkung für den gesamten Verein. Sie stellt eine Orientierungshilfe auch für die Nachwuchsmannschaften dar. Nichts liegt uns ferner als „jemanden“ abzuhängen“, aber es gibt immer Menschen die voran gehen und Ziele festlegen müssen. Unabhängig davon ändert sich gar nichts zu den Vorjahren. Wir gehen mit einem unveränderten Etat in die neue Saison 2020/2021.

Wie ist es Euch gelungen derartige Hochkaräter vom Projekt 2025 des TuS Brake zu überzeugen?

Carsten Johanning: Das Ganze hatte einen gewissen Dominoeffekt und war zunächst in dem Maße gar nicht so geplant. Sicherlich war es von Vorteil, dass ich die Spieler alle schon jahrelang kenne und beobachte, teilweise schon früher Gespräche mit ihnen geführt habe. Bei jedem Einzelnen waren aber auch immer andere Faktoren ausschlaggebend. Mal waren es die sportlichen Ziele oder die Art und Weise wie wir Fußball spielen wollen, dann gab es auch persönliche Verbindungen zwischen  einigen Neuzugängen. Alle Gespräche verliefen sehr individuell. Sicher haben wir auch von der bereits angesprochenen Thematik profitiert, dass es momentan nicht allzu viele spannende Vereine in der Region gibt.

Jörg Pundmann: Da gibt es sicherlich verschiedene Faktoren, der finanzielle Aspekt dürfte dabei  jedoch eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Ich glaube entscheidend für diese wirklich sehr zufriedenstellende Zusammensetzung der Mannschaft ist der Mix aus Vielem: Der Trainingsaufwand ist neben dem Beruf zu bewältigen, eine sehr gute Reputation des Trainers, ein empathisches Trainerteam, ein familiäres Umfeld und nicht zuletzt auch eine schöne Platzanlage…!

Vielen Dank für dieses offene Gespräch! Das Website-Team wünscht Euch einen erfolgreiche Saison und drückt ganz fest die Daumen!